Neurochemie: Dopamin

„Dopamin (DA, Kunstwort aus DOPA und Amin) ist ein biogenes Amin aus der Gruppe der Katecholamine und ein wichtiger, überwiegend erregend wirkender Neurotransmitter des zentralen Nervensystems. Dopamin wird auch Prolaktostatin oder PIH (Prolactin-Inhibiting Hormone) genannt. Gebildet wird es in (postganglionären sympathischen) Nervenendigungen und im Nebennierenmark als Vorstufe von Noradrenalin.

Im Volksmund gilt es als Glückshormon. Die tatsächliche psychotrope Bedeutung des Dopamins wird allerdings hauptsächlich im Bereich der Antriebssteigerung und Motivation vermutet.“ (Quelle: Wikipedia)

Dopamin (Wikimedia Commons)
(Quelle: Wikimedia Commons)

Ausschüttung

Dopamin ein zentraler Stoff im menschlichen Belohnungssystem. Es wird ausgeschüttet

  • wenn wir auf dein sichtbares Ziel zusteuern und Fortschritte sehen,
  • wenn ein Ziel oder Teilziel erfolgreich erreicht worden ist,
  • beim Genuss von Lebensmitteln und Getränken,
  • beim Ausleben von Suchtverhalten, z.B. beim Genuss von Drogen (Alkohol, Nikotin, etc.),
  • beim Sport wenn man ein Ziel erreicht

Einige Forscher sind der Ansicht, dass das Zusteuern auf ein sichtbares Ziel zu einer höheren Ausschüttung führt, als nach dem Erreichen des Ziels.

Evolutionsgeschichtliche Gründe

Unsere vorgeschichtlichen Vorfahren waren Jäger und Sammler. Die Jagd und das Auffinden von Nahrung war immer sehr Zeitaufwändig und es wurde nicht immer sofort etwas gefunden. Wenn der Mensch immer nur gejagt hätte, wenn er akut Hunger gehabt hätte, dann wäre er eventuell verhungert, wenn er nicht unmittelbaren Jagderfolg gehabt hätte. Deshalb war es notwendig auch vorsorglich für magere Zeiten zu jagen.

Dopamin sorgt dafür, dass der Genuss von positiv belohnt wird. Damit führt auch das Auffinden von Nahrung zu einem Wohlgefühl, unabhängig davon, ob man gerade Hunger hat. Hat man die Nahrung ausfindig gemacht, z.B. indem man in der Ferne einen Strauch mit Früchten sieht, bekommt man leichtes Glücksgefühl durch Dopamin. Man konzentriert sich jetzt nur auf das Erreichen der Ziels, in diesem Fall das Erreichen des Strauchs und das Pflücken der Früchte.

Geht man also auf dieses Ziel zu und merkt, dass man Fortschritte macht, wird erneut Dopamin ausgeschüttet. Immer wenn man auf dem Weg zum Ziel einen „Meilenstein“ erreicht, findet diese Ausschüttung statt. Solange bis man das Ziel erfolgreich erreicht hat. Das Dopamin sorgt also dafür, dass man seine Ziele erreicht.

Bedeutung für Depression und Burnout

Dopamin hat sehr starke Auswirkungen auf die menschliche Psyche. Dies gilt nicht nur für Depression und Burnout, sondern auch für Suchterkrankungen. Außerdem kann man über die Ausschüttung von Dopamin von Anderen leicht manipuliert werden. Diese körpereigene Droge hat also sowohl positive als auch negative Effekte.

Positive Effekte

Immer, wenn man ein Teilziel oder Ziel erreicht, bekommt man durch Dopamin eine Belohnung in Form eines Glücksgefühls. Dies gilt natürlich auch für unsere moderne Welt. Belohnungssysteme in modernen Unternehmen machen sich dies zunutze, indem dies durch Zahlung eines Bonus bei Erreichen der Ziele verstärkt wird. Es ist ja auch im Sinne eines Unternehmens, wenn die Mitarbeiter die ihnen gesetzten Ziele erreichen.

Damit Dopamin ausgeschüttet wird, müssen die Ziele

  • visualisiert werden können (abstrakte Ziele funktionieren nicht),
  • realistisch und erreichbar

sein. Im Bild mit dem Früchtestrauch aus der Vorzeit muss man den Strauch sehen können und man muss beim Annähern an das Ziel Fortschritte sehen. Und letztendlich das Ziel auch erreichen.

Negative Effekte

Die negativen Effekte sind:

  • Erzeugung und Verstärkung von Suchtverhalten
  • Manipulierbarkeit

Suchtverhalten

Bei jeglichem Suchtverhalten ist Dopamin mit beteiligt. Im Englischen werden, nicht zu Unrecht, Drogen als „Dope“ bezeichnet. Dies können also, unter anderem, folgende Süchte sein:

  • Alkohol, Nikotin, härtere Drogen
  • Spielsucht
  • Esssucht
  • Handysucht, Sucht nach sozialen Medien,
  • Arbeitssucht, Sucht nach dem Erreichen immer höherer Ziele

Die Sucht nach sozialen Medien ist ein neueres Phänomen. Dopamin wird ausgeschüttet, wenn man eine Reaktion auf einen Post in diesen Medien erhält, entweder durch ein „Like“ oder einen Kommentar. Auch wenn die Liste der „Freunde“ oder „Follower“ immer weiter steigt, wird Dopamin ausgeschüttet. Ob zusätzlich auch Serotonin ausgeschüttet wird, ist umstritten. Die Frage ist, ob die Interkation über einen Computer als soziale Interkation wahrgenommen wird oder nur persönliche Kontakte hier zur Serotoninausschüttung führen.

Insbesondere der letzte Punkt, die Arbeitssucht, kann einen Mitarbeiter geradewegs in den Burnout treiben. Arbeitgeber könnten Dopamin sogar dazu missbrauchen, um immer mehr Leistung von ihren Mitarbeitern zu erreichen. Damit wären wir schon bei der Manipulation.

Manipulation

Oft werden bei solchen Manipulationen Erkenntnisse des Behaviorismus, einer Verhaltenspsychologischen Disziplin, angewandt. Dopamin spielt dabei eine zentrale Rolle, da es ein wesentlicher Teil des Belohnungssystems ist.

Erwünschtes Verhalten wird mit Hilfe von Belohnungen verstärkt (Dopamin wird ausgeschüttet), während bei unerwünschtem Verhalten die Belohnung ausbleibt (Dopamin wird entzogen). Auf diesem Prinzip beruht auch die Dressur und Erziehung von Tieren.

Auf diese Weise können wir von verschiedenen Gruppen / Personen manipuliert werden, u.a. durch Marketing, Werbung oder durch Arbeitgeber, die wie oben beschrieben, Mitarbeiter über ein entsprechendes Belohnungssystem zu immer mehr Leistung hochstacheln.

Fazit

Zunächst ist es erst einmal Wichtig, die Zusammenhänge zu kennen. Dann kann man erkennen, wann und wo welcher Mechanismus bei einem selbst greift. Um Dopamin auf eine positive Art bei Burnout oder Depression nutzen zu können, habe ich für mich folgende Maßnahmen abgeleitet:

  • Erstellung und Abarbeiten einer Aufgabenliste (TODO-Liste)
  • Nach erfolgreicher Zielerreichung, den Erfolg auf irgendeiner Art feiern
  • Kein Multitasking
  • Sport

Aufgabenliste

Die Aufgabenliste sollte leicht erreichbare Ziele beinhalten. Wenn eine Aufgabe abgearbeitet ist und der Eintrag auf der Liste durchgestrichen wird, wird Dopamin ausgeschüttet. Falls man eine Aufgabe erledigt, die nicht auf der Liste steht, kann man für zusätzliches Dopamin sorgen, indem man sie auf die Liste schreibt, um sie dann sofort durchzustreichen.

Aufgrund des enormen Stresses bei mir auf der Arbeit, habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht morgens eine solche Liste für den Tag zu erstellen. Ein entsprechendes leeres Formular drucke ich dann aus. Dort kommen zunächst die Aufgaben drauf, die am Vortag auf der Liste standen aber noch nicht abgearbeitet waren. Dann die Punkte, die man sich noch für den Tag vorgenommen hat. Diese Liste lasse ich offen und sichtbar auf meinem Schreibtisch liegen, so dass ich immer den Fortschritt sehen kann.

Meine Liste hat die Spalten

  1. Datum (Wann habe ich die Aufgabe erhalten?)
  2. Beschreibung Aufgabe
  3. Geschätzte Dauer
  4. Priorität

Eine solche Liste hat nicht nur den Vorteil, dass man den Fortschritt seiner Arbeit bildlich vor sich sieht, was zur Ausschüttung von Dopamin führt. Andererseits hat die Liste noch einen Zusatzeffekt: Jedes Mal, wenn ein Vorgesetzter oder Auftraggeber sieht, wie man eine neue Aufgabe in die Liste einträgt, sieht derjenige auch, wie viel andere Einträge man auf der Liste hat. So ist es demjenigen möglich zu sehen, ob man gerade zu vielen Aufgaben hat. Man hat dann außerdem die Möglichkeit, nachzufragen, ob die neue Aufgabe wichtiger als eine der anderen Aufgaben auf der Liste ist, oder nicht. So kann über eine Anpassung der Priorisierung auch Druck und Stress reduziert werden.

Erfolge feiern

Nach Ansicht einiger Forscher ist die Dopamin Konzentration im Gehirn am stärksten, wenn wir auf ein Ziel zusteuern. Sobald wir das Ziel aber erreichen, sinkt der Dopamin-Spiegel wieder. Das erklärt, dass wir nach oft nach der Erreichung des Ziels erst einmal erschöpft sind. („Jetzt habe ich mein Ziel erreicht, was mache ich jetzt?“)

Daher kann es helfen, beim Erreichen eines Ziels den Erfolg auf irgendeine Art zu feiern, um nicht in dieses Loch zu fallen. Wenn man dann noch von Anderen gelobt wird, dann wird dann noch Serotonin freigesetzt.

Multitasking

Multitasking führt zu erhöhtem Stress und damit zur Ausschüttung des Stresshormons Cortisol.  Es sorgt auch dafür, dass wir unsere Ziele aus den Augen verlieren, verhindert also die Ausschüttung von Dopamin. Der Mensch ist ohnehin nicht für Multitasking geschaffen. Es ist eine Überforderung, es überhaupt zu versuchen. Es ist besser die Aufgabenliste Punkt für Punkt nach Priorität abzuarbeiten, um vom Dopamin zu profitieren.

Sport

Über die Auswirkungen von Sport hatte ich bereits  im Beitrag über Endorphine geschrieben. Wichtig für die Ausschüttung von Dopamin ist, dass man ein Ziel vor Augen haben sollte und dass man den Fortschritt auf dem Weg zum Ziel sehen kann.

Falls jemand noch Ideen hat, wie man Dopamin gegen Burnout und Depressionen einsetzen kann, wäre ich über eine Nachricht oder einen Kommentar dankbar.

Im nächsten Beitrag geht es dann mit Serotonin weiter.

 

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9 Gedanken zu “Neurochemie: Dopamin

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