Neurochemie: Serotonin

„Serotonin, auch 5-Hydroxytryptamin (5-HT) oder Enteramin, ist ein Gewebshormon und Neurotransmitter. Es kommt unter anderem im Zentralnervensystem, Darmnervensystem, Herz-Kreislauf-System und im Blut vor. Der Name dieses biogenen Amins leitet sich von seiner Wirkung auf den Blutdruck ab: Serotonin ist eine Komponente des Serums, die den Tonus (Spannung) der Blutgefäße reguliert. Es wirkt außerdem auf die Magen-Darm-Tätigkeit und die Signalübertragung im Zentralnervensystem.“ (Quelle: Wikipedia)

Serotonin (Wikimedia Commons)
(Quelle: Wikimedia Commons)

Ausschüttung

Während die Ausschüttung von Endorphinen und Dopamin von Einem selbst beeinflusst werden kann, ist für die Ausschüttung von Serotonin und Oxytocin in der Regel die Interaktion mit Anderen nötig. Die Ausschüttung von Serotonin erfolgt durch

  • Lob, Anerkennung, Wertschätzung durch Bezugspersonen
  • Das Sich-Überlegen-Fühlen gegenüber Anderen
  • Sonnenlicht, Vitamin B6
  • Sport

Außerdem gibt es bestimmte Lebensmittel (z.B. Walnüsse, Bananen, Ananas), die Serotonin und Vorstufen von Serotonin enthalten (Tryptophan). Diese gelangen jedoch nicht zwangsläufig ins Gehirn, da sie nicht ohne weiteres die Blut-Gehirn-Schranke passieren können. Diese Schranke schützt das Gehirn vor Giftstoffen von außen, verhindert aber auch dass über Nahrung aufgenommenes Serotonin ins Gehirn gelangt und so zu einem Wohlbefinden führt.

Effekte von Serotonin im Gehirn:

  • Wohnbefinden
  • Antriebsstärke

Folgen von zu wenig Serotonin im Gehirn sind u.a.:

  • Depression
  • Antriebslosigkeit
  • Verlangen nach Süßigkeiten (Schokolade)
  • Ein- und Durchschlafstörungen

Wenn man dem Verlangen nach Süßigkeiten nachgeht, führt die allerdings nicht zu einer Erhöhung des Serotoninspiegels, da dieses ja die Blut-Gehirn-Schranke überwinden muss. Dafür wird jedoch Dopamin ausgeschüttet, das ja eng mit Suchtverhalten verknüpft ist.

Der Grund für die Schlafstörungen ist, dass Serotonin eine Vorstufe von Melatonin ist, welches für den Schlaf zuständig ist.

Evolutionsgeschichtliche Gründe

In vorgeschichtlichen Stämmen gab es immer stärkere / überlegenere Menschen, die einerseits beim Essen immer zuerst zum Zuge kamen. Andererseits hatten diese Alpha-Menschen die Aufgabe, die anderen, schwächeren, Mitglieder zu beschützen.

Diesen Führern wurde also eine besondere Wertschätzung zu teil, was deren Serotonin-Spiegel erhöhte. Dies gab ihnen die notwendige Antriebsstärke, um den Stamm zu beschützen. Deshalb wir Serotonin auch oft als „Führungshormon“ bezeichnet. Das Wohlbefinden durch Anerkennung von Anderen, hat also eine positive Wirkung auf die Überlebensfähigkeit der Gesellschaft.

Bedeutung für Depression und Burnout

Depressionshormon

Serotonin ist der Stoff, der am häufigsten mit Depressionen in Zusammenhang gebracht wird. Die meisten Antidepressiva versuchen entweder die Serotoninmenge durch Zuführung von Tryptophan zu erhöhen, oder zu verhindern, dass einmal gebildetes Serotonin im Gehirn wieder aufgenommen wird, um abgebaut zu werden (sogenannte Wieder-Aufnahme-Hemmer).

Da Serotonin im Körper mit Hilfe von Sonnenlicht gebildet wird, kann es im den nördlichen oder südlichen Breiten im Winter durch Mangel an Sonnenlicht zur sogenannten Winter-Depression kommen.

Wechselwirkungen

Serotonin steigert das Wohlgefühl, hilft aber auch die Wirkung von Dopamin zu reduzieren. Dies ist vor Allem bei Suchterkrankungen bedeutsam. Wenn es gelingt, das Glücksgefühl, das durch Dopamin entsteht durch ein durch Serotonin erzeugte Glücksgefühl zu ersetzen, kann evtl. Suchtverhalten beeinflusst werden.

Ein hoher Cortisol-Spiegel, hervorgerufen durch dauernden Stress, reduziert die Aufnahme von Serotonin in das Gehirn, da es mit dem Cortisol um die Passage durch die Blut-Gehirn-Schranke konkurriert. Je gestresster man ist, desto weniger profitiert man vom Serotonin und desto stärker sind die Symptome einer Depression.

Fazit

Folgende Möglichkeiten sehe ich, um Serotonin zur Verbesserung bei Burnouts und Depressionen benutzen:

  • Lob, Anerkennung von Anderen einfordern
  • Sonnenlicht im Freien, Tageslichtlampe drinnen
  • Sport (am besten, wenn man Anerkennung dafür bekommt, z.B. einen Pokal)
  • Medikamente (Tryptophan, Wieder-Aufnahme-Hemmer)

Der erste Punkt ist der problematischste. Da das Lob und die Anerkennung von Anderen glaubhaft sein müssen, ist es nicht damit getan, diese jedes Mal einzufordern. Der Andere lobt dann, um seine Ruhe zu haben. Daher sollte man dies nicht im Einzelfall machen, sondern versuchen eine generelle Kultur des Lobens zu erreichen. Leider ist dies in unserer westlichen Gesellschaft schwer umzusetzen.

Da mein jährliches Beurteilungsgespräch demnächst ansteht, werde ich mal mit meinem Vorgesetzten reden, ob er nicht eine solche Kultur des Lobes einführen möchte. Mal sehen, ob ich damit etwas bewirke.

Im nächsten Beitrag geht es weiter mit Oxytocin.

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10 Gedanken zu “Neurochemie: Serotonin

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