Neurochemie: Oxytocin

„Oxytocin (auch Ocytocin, von altgriechisch ὠκύς ōkys, deutsch ‚schnell‘ und altgriechisch τόκος tokos, deutsch ‚Geburt‘: okytokos „leicht gebärend“; im Deutschen manchmal auch Oxitozin genannt) ist ein Hormon, welches eine wichtige Bedeutung beim Geburtsprozess einnimmt. Gleichzeitig beeinflusst es nicht nur das Verhalten zwischen Mutter und Kind sowie zwischen Geschlechtspartnern, sondern auch ganz allgemein soziale Interaktionen.

Das Neuropeptid aus der Gruppe der Proteohormone wird im Nucleus paraventricularis und zu einem geringen Teil im Nucleus supraopticus (beides Kerngebiete im Hypothalamus) gebildet. Von hier wird Oxytocin über Axone zum Hinterlappen (Neurohypophyse) der Hypophyse (deutsch: Hirnanhangdrüse) transportiert, zwischengespeichert und bei Bedarf abgegeben. “ (Quelle: Wikipedia)

Oxytocin (Wikimedia Commons)
(Quelle: Wikimedia Commons)

Ausschüttung

Oxytocin ist landläufig bekannt als sogenanntes „Kuschel-Hormon“, kann aber nicht nur allein darauf reduziert werden. Es ist das Hormon, was ein Gefühl von Vertrauen erzeugt.

Oxytocin wird meist in zwischenmenschlichen Interaktionen ausgeschüttet, man kann also die Ausschüttung nicht alleine auslösen, wie bei Endorphinen und Dopamin.

Es wird ausgeschüttet bei

  • der Geburt (verringert den Schmerz und bereitet die Gebärmutter auf die Geburt vor)
  • körperlicher Berührung
  • soziale Interaktionen mit Menschen, denen man vertraut
  • gutherzigen Handlungen gegenüber Anderen oder gutherzigen Handlungen, die man von Anderen erfährt

Die Ausschüttung bei körperlicher Berührung beim Kuscheln und beim Sex hat ihm den Ruf als „Kuschel-Hormon“ eingebracht. Beim Sex werden gleich zwei der betrachteten Glückshormone ausgeschüttet: Dopamin und Oxytocin. Dopamin ist in Zusammenhang zu bringen mit dem Lustgefühl und dem Orgasmus. Oxytocin eher mit dem Gefühl der Zärtlichkeit, der Zusammengehörigkeit und der Vertrautheit.

Oxytocin wird bei Berührung, Vertrautheit und gutherzigen Handlungen immer bei allen Beteiligten ausgeschüttet. Bei gutherzigen Handlungen sogar nicht nur bei demjenigen der diese Handlung ausübt oder erfährt, sondern auch bei Zeugen einer solchen gutherzigen Handlung.

Es ist daher das wichtigste Hormon, um zwischenmenschliche Beziehungen zu bilden und zu verstärken.

Evolutionsgeschichtliche Gründe

Die positive Wirkung auf den Geburtsvorgang ist offensichtlich. Wir würden uns als Spezies nicht fortpflanzen, wenn die Geburt nur als negativ empfunden würde. Auch die Stärkung der Bindung zwischen Mutter und Kind ist klar.

Unsere Vorfahren waren aber auch auf den Zusammenhalt der Gruppe angewiesen, wenn es um Nahrungsbeschaffung und Abwenden von Gefahren geht. Oxytocin verstärkt den Zusammenhalt in der Gruppe und zusammen kann man den Gefahren von außen gut trotzen.

Bei anderen Säugetieren, die in Gemeinschaften leben, spielte Oxytocin auch schon eine Rolle, noch bevor der Mensch existierte. Bei Affen und Primaten beispielsweise ist das gegenseitige Lausen ein gutes Beispiel, wie mit Hilfe körperlicher Berührung und Ausschüttung von Oxytocin die Beziehungen und das Vertrauen innerhalb der Gruppe gestärkt werden.

Bedeutung für Depression und Burnout

Wirkung und Wechselwirkungen

Wie erwähnt hat das durch Oxytocin hervorgerufene Wohlgefühl folgende Wirkungen

  • Verringerung von Schmerzen bei der Geburt
  • Gefühl von Zugehörigkeit
  • Gefühl von Sicherheit
  • Gefühl von Vertrauen
  • Verringerung von Stress und Aggression

Wenn man sich die Wirkungen so anschaut, scheint es so, dass diese so ziemlich das genaue Gegenteil der Wirkungen des Stresshormons Cortisol sind. Oxytocin bewirkt also eine Reduktion von Cortisol, während Cortisol den Oxytocin-Spiegel senkt.

Wenn man sich in seinem beruflichen Umfeld sicher und zugehörig fühlt und man den Mitarbeitern und Vorgesetzten vertraut, dann fühlt man sich wohler und empfindet weniger Stress. Ist das Arbeitsumfeld jedoch von Angst, Druck und Misstrauen geprägt und man fühlt sich auch nicht zugehörig, dann erhöht dies den Cortisol-Spiegel und somit den Stress. Die kann über einen längeren Zeitraum zu Depression und Burnout führen.

Fazit

Was kann man also tun, um den Oxytocin-Spiegel zu erhöhen und damit den Cortisol-Spiegel zu senken? Mir sind folgende Punkte eingefallen.

  • Körperkontakt und Kuscheln mit dem Partner (soweit vorhanden)
  • Treffen mit Freunden und Menschen, denen man vertraut. Heraus aus der Isolation.
  • Im privaten Umfeld: vermeiden von Kontakten zu Menschen, die einem nicht gut tun.
  • Gutherzige Handlungen gegenüber Anderen (auch Kollegen und Vorgesetzte)

Die ersten drei Punkte sind relativ einfach zu verstehen. Der letzte Punkt ist da schon schwieriger, da gerade Kollegen oder Vorgesetzte oft als Grund wahrgenommen werden, warum man dauernden Stress hat was den Burnout überhaupt ausgelöst hat.

Der hohe Cortisol-Spiegel führt dazu, dass man sich am Arbeitsplatz nicht sicher fühlt, dass sogar Angst erzeugt wird. Dies führt dazu, dass die Mitarbeiter nicht miteinander arbeiten und sich gegenseitig den Rücken stärken, sondern gegeneinander arbeiten. Dies wiederum erhöht die Ausschüttung von Cortisol weiter.

Ein Teufelskreis.

Normalerweise ist die Führungspersönlichkeit dafür zuständig, dass wir uns sicher fühlen. Wie im Beitrag über Serotonin beschrieben, wir bei der Führungspersönlichkeit Serotonin ausgeschüttet und im Gegenzug hat diese dann sicher zu stellen, dass die Anderen in der Gruppe sich sicher und beschützt fühlen.

Leider ist dies nicht immer der Fall. Wenn der Vorgesetzte sich auch nicht sicher fühlt, weil er dieses Gefühl von seinem Vorgesetzten nicht erhält, ist bei ihm der Cortisol-Spiegel ebenfalls hoch und er gibt den Druck an seine Mitarbeiter weiter. Wenn das in einem Unternehmen vorkommt, dann ist dies ist ein sicheres Anzeichen dafür, dass etwas in Unternehmenskultur nicht stimmt. Ein konstruktives Arbeiten in einem solchen Unternehmen ist nicht möglich. Anstatt Probleme zu lösen, die von außen kommen, wie zum Beispiel veränderte Marktsituationen, verwendet man seine ganze Energie vielmehr darauf, sich vor den eigenen Mitarbeitern und Vorgesetzten zu schützen („Cover your ass“).

Leider kann man als einzelner Mitarbeiter nicht so ohne weiteres dafür sorgen, dass die Unternehmenskultur oder das Handeln des Vorgesetzten sich ändert. Es gibt kein „Recht sich sicher zu fühlen an seinem Arbeitsplatz“, obwohl ich der Meinung bin, dass es so etwas geben sollte.

Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, wie man einen lokalen Einfluss auf die Unternehmenskultur haben kann, ist es mit gutem Beispiel voran zu gehen und Kollegen und Vorgesetzte mit Hilfe von gutherzigen Handlungen ein Gefühl von mehr Sicherheit zu geben. In der Hoffnung, dass dieses Verhalten sich irgendwann auf diese überträgt und diese dann auch mehr und mehr gutherzige Handlungen in ihrem Umfeld an den Tag legen. Und da Oxytocin auch bei denen ausgeschüttet wird, die Zeuge einer gutherzigen Handlung sind, hat dies auch positive Auswirkungen auf andere.

Es gibt keine Garantie, dass dies zu einer Änderung der Unternehmenskultur führt. Aber vielleicht kann man so Veränderungen in seinem eigenen, engeren, Arbeitsumfeld erreichen.

Falls jemandem noch etwas einfällt, bin ich für Anregungen dankbar. Im nächsten Beitrag schauen wir uns das Stress-Hormon Cortisol einmal näher an.

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5 Gedanken zu “Neurochemie: Oxytocin

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